Der Schwung des Zyklus

Ein Marktbericht von Arndt Kümpel

Traut man sich in der derzeitigen Gemengelage politisch und ökonomisch oftmals widersprüchlicher Daten eine Trendbestimmung des globalen Wachstums zu, so schaut man neben volatilen Stimmungsindikatoren, die kurzfristig gerne für Wachstumsfantasie sorgen, vor allem auf harte Trendindikatoren. Einer von ihnen ist die Differenz zwischen zweijährigen und zehnjährigen US-Staatsanleihen. Die Entwicklung dieser Differenz ist vor allem von Bedeutung, weil sie bisher ein akkurater Indikator für eine Rezession war, insbesondere, wenn sie negativ wird, der kurze also höher als der lange Zins ist.

 

Aktuell beträgt die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe 2,97 %, die der 2-jährigen 2,83 %, und die Differenz ist mit 0,14 % zwar noch nicht negativ. Sie ist aber so tief wie seit dem Jahr 2007 und damit dem Vorabend der Finanzkrise vor 10 Jahren nicht mehr.

 

Entstehen kann der niedrige Abstand vor allem aus zwei Gründen: Entweder die US-Notenbank hat die kurzen Zinsen so stark angehoben, dass eine Rezession durch Vollbremsung der Kreditnachfrage vor allem in der Bau- und Autoindustrie droht. Oder aber die Kapitalmärkte folgen dem Ende des Kredit- und damit Konjunkturzyklus, weil weitere Verschuldung immer weniger Wachstum bewirkt. Beide Interpretationen implizieren ein zunehmendes Risiko für zyklische Aktien und Immobilien, aber vor allem für die Risikoaufschläge bei Anleihen. Hier haben die Zins-Spreads gegenüber der zehnjährigen US-Staatsanleihe zuletzt einen deutlichen Sprung gemacht.

 

Die nachlassende Konjunkturdynamik wird auch in den Quartalszahlen der US-Unternehmen deutlich. Nach der Berichtssaison zum 3. Quartal 2018 wurden die Gewinnschätzungen für den US-Aktienindex S&P 500 bereits für das 4. Quartal 2018 und für 2019 gesenkt, hinzu kommt ein deutlich gebremstes Umsatzwachstum. Vor allem aber könnte das Zyklushoch der Gewinnmargen bereits Mitte 2018 mit 12,8 % erreicht worden sein, da es vom Einmaleffekt der Senkung der Unternehmenssteuern profitierte und nächstes Jahr der Basiseffekt wegfällt. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund steigender Arbeitskosten plausibel. Hinzukommen könnten zudem die Effekte der US-Handelspolitik, die die Materialkosten auch für US-Unternehmen ebenso gefährdet, wie sie die globalen Wertschöpfungsketten behindert. Ausgleichende Produktivitätsgewinne sind derweil nicht in Sicht.

 

Dazu passen auch die warnenden Worte des IWF, die schwächeren Trends der OECD Leading Indicators sowie der Abwärtstrend des globalen Einkaufsmanagerindex bereits das ganze Jahr 2018 hindurch. Und eine aufgefüllte Wachstums-Dampflock wie das Konjunkturprogramm Chinas, das im Jahr 2012 das globale Wachstum antrieb, ist nicht in Sicht. Damit wird eines klar: Im Glashaus fragilen Wachstums sitzen am Ende alle Akteure. Nur einige von ihnen denken, dass sie ohne große Nachteile mit Steinen werfen können.

 

Weitsichtige Staaten und Anleger tun in diesem Umfeld bereits das Ihrige: Sie holen ihre im Ausland gelagerten Goldreserven zurück oder/und kaufen zum Teil massiv zu. Ob Sovereign Wealth Fund oder Bankdepot: Edelmetalle sind in dieser Phase des Konjunkturzyklus nicht nur in den USA eine der wenigen Möglichkeiten, das politische Risiko abnehmender globaler Kooperation und abstürzenden Vertrauens in das eigene Regierungssystem sowie die anstehende Rutschbahn für Gewinne und Kreditwürdigkeit wirksam und nachhaltig zu steuern.

 

03.12.2018 - Arndt Kümpel - a.kuempel@emh-group.de

 

 

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