Palladium, das strategische Metall

Ein Marktbericht von Arndt Kümpel

Die Entwicklung des Palladiumpreises in den vergangenen Wochen hat viele Marktteilnehmer überrascht. Bis dahin fand das weiße Metall nur vereinzelt verstärkte Aufmerksamkeit, vor allem dann, wenn über zunehmende Angebotsdefizite berichtet wurde.

Der Palladiumkurs hatte sich bereits von Januar 2016 bis Januar 2018 von rund 500 US-Dollar auf knapp 1140 US-Dollar mehr als verdoppelt und das bisherige Allzeithoch vom Januar 2001 bei glatt 1100 US-Dollar überwunden. Im Jahresverlauf wurde jedoch dieser Ausbruch bis an die Interpretationsschmerzgrenze eines Fehlsignals getestet. Im September 2018 gewann der Palladiumkurs jedoch stark an Aufwärtsdynamik, überwand auf Monatsbasis mit 1073,50 US-Dollar den Monatsschlusskurs vom Januar 2001 bei 1025 US-Dollar als auch vom Januar 2018 bei 1028,50 US-Dollar deutlich und generierte damit ein starkes Kaufsignal. Mit dem Novemberschlusskurs bei 1183,50 US-Dollar hat der Palladiumpreis auch auf Monatsbasis ein technisches Aufwärtssignal generiert.

 

Die Fantasie von Palladium lag zu Beginn des Jahrtausends vor allem in der Verwendung als Fahrzeugkatalysator bei der Abgasreinigung, was zu einem starken Anstieg der Nachfrage und der Bildung einer Spekulationsblase führte, nicht zuletzt aus der Befürchtung von Versorgungsengpässen heraus. Begünstigt wurde dies dadurch, dass der Markt für Palladium wesentlich kleiner als jene der anderen Edelmetalle ist. Schon relativ kleine Kapitalzuflüsse oder Nachfrageänderungen können zu großen Preisbewegungen führen.

 

Und auch derzeit steigt die Nachfrage des hauptsächlich in Katalysatoren verwendeten Metalls vor allem in China deutlich an. Ursache sind strengere Vorschriften, mit denen die chinesische Regierung die Abgasbelastung reduzieren und die Luftqualität verbessern will. Im Ergebnis führt dies dazu, dass chinesische Autohersteller in ihren Katalysatoren mehr Palladium verwenden.

 

Die Angebotsseite von Palladium hat jedoch auch eine politische Komponente: Dort bildeten Russland und Südafrika mit 38,6 % und 37,1 % Anteil an der weltweiten Förderung von 210 Tonnen im Jahr 2017 ein enges Angebotsoligopol. Beim Schwestermetall Platin ist die Verteilung noch deutlicher: Von den 2017 geförderten 200 Tonnen Platin betrug der Anteil Südafrikas massive 70 %, während Russland mit 10,5 % folgte.

 

Eine unmittelbare Folge der Preisentwicklung ist die gestiegene ökonomische Attraktivität der Möglichkeit, das inzwischen teurere Palladium durch Platin zu ersetzen. Das US Geological Survey verweist diesbezüglich in seinem ,,Mineral Commodity Summaries 2018‘‘ darauf, dass rund 25 % des Palladiums durch Platin in Dieselkatalysatoren ersetzt werden können. In einigen Anwendungen kann dieser Anteil auf über 50 % erhöht werden, jedoch zulasten der Effizienz. Was dies jedoch auch zeigt, ist die reale Möglichkeit, dass ein weiter steigender Palladiumpreis den Platinpreis im Umfang seiner zunehmenden Substitution ebenfalls nach oben ziehen könnte.

 

Es ist deshalb ein Blick auf die Palladium-Futurekontrakte an der NYMEX hilfreich, denn sie zeigen derzeit eine deutliche Backwardation, bei der der nächste fällige Future-Kontrakt teuer ist als der jeweils nächste fällige, was zu einer fallenden Terminkurve von Palladium führt. Die Differenz etwa zwischen dem Dezemberkontrakt 2018 und dem Dezemberkontrakt 2019 beträgt aktuell rund 60 US-Dollar. Die wahrscheinlichste Deutung dafür ist ein Mangel an physischem Metall, wobei die Käufer bereit sind, eine Prämie für die kurzfristige physische Lieferung zu bezahlen.

 

Die Potentiale von Preissetzungsmacht werden umso deutlicher, wenn man sich die Bedeutung von Palladium (und Platin als relatives Substitut) als strategisches Metall und damit eine relativ niedrige Preiselastizität der Nachfrage für ein kombiniertes Angebot von Palladium und Platin vor Augen führt. Eine Ausweitung russischer und/oder südafrikanischer Palladiumlieferungen an China zulasten der Verkäufe nach Europa und in die USA würden bereits kurzfristig zu deutlichen Preissprüngen führen. In diese Interpretation eines potenziellen Angebotskartells passt auch die verstärkte strategische Zusammenarbeit zwischen Russland und Südafrika, wie sie auf dem ,,15. South Africa-Russia Intergovernmental Committee on Trade and Economic Cooperation‘‘ Ende November 2018 in Moskau vereinbart wurde und die die Metalle der Platingruppe, zu der auch Palladium gehört, ausdrücklich erwähnt!

 

Fazit: Betrachtet man die derzeitige Entwicklung bei Palladium, stellt sich vor dem Hintergrund der zunehmenden politischen Vereisung ein gewisses strategisches Unwohlsein ein. Der auf Monatsbasis im November endgültig nach oben ausgebrochene Palladiumpreis kann nach dem starken Anstieg zwar jederzeit nochmals korrigieren, deutet aber auch an, dass die Zukunft anders aussehen könnte als die Vergangenheit. Denn es war Russland, das zu Beginn des Jahrtausends seine Palladiumreserven nutzte, um den Preis zu stabilisieren.

 

07.12.2018 - Arndt Kümpel - a.kuempel@emh-group.de

 

 

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